Stellungnahme der Fanhilfe Würzburg zu der Polizeipräsenz der letzten Heimspiele
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Als Fanhilfe beobachten wir seit längerer Zeit eine Entwicklung, bei der sicherheitsbehördliche Maßnahmen zunehmend zu Lasten der Rechte von Stadionbesucherinnen und Stadionbesuchern sowie selbstverwalteter Freiräume gehen. Anlass zur Kritik ist dabei nicht ein einzelnes Ereignis, sondern eine Reihe vergleichbarer Vorfälle in den vergangenen Monaten.
Besonders deutlich wurde dies bei den Heimspielen gegen Aachen und insbesondere gegen Rostock. Nach dem Rostock Spiel wurde Stadionbesucherinnen und Stadionbesuchern durch Polizeiketten zeitweise der Weg aus dem Stadion versperrt. Dadurch entstand eine erzwungene räumliche Nähe zwischen Heim- und Gästefans, obwohl die Trennung der Fanlager grundsätzlich als wichtiges Mittel zur Deeskalation gilt. Aus unserer Sicht trugen die Maßnahmen eher zur Entstehung zusätzlicher Spannungen bei, als diese zu verhindern.
Kritisch sehen wir zudem die außergewöhnlich hohe Polizeipräsenz im und um das Stadion sowie Maßnahmen, deren Umfang und Zweck für viele Betroffene nicht nachvollziehbar waren. Die Verhältnismäßigkeit dieser Einsätze stellen wir daher in Frage.
Gleiches gilt für den Einsatz polizeilicher Drohnen bei den genannten Spielen. Diese kamen zum Einsatz, obwohl in dieser Saison bereits ein hochmodernes Kamerasystem installiert wurde, welches eine umfassende Beobachtung des gesamten Stadiongeschehens ermöglicht. Es bleibt unklar, weshalb zusätzliche Überwachungsmaßnahmen erforderlich waren und welchen konkreten Mehrwert sie bieten sollten. Gerade bei Eingriffen dieser Art müssen Erforderlichkeit, Zweck und Verhältnismäßigkeit transparent begründet werden. Ebenso stellt sich die Frage, ob der Einsatz umfangreicher personeller und technischer Ressourcen angesichts der tatsächlichen Sicherheitslage gerechtfertigt ist. Die Fanhilfe wird die Hintergründe und rechtlichen Grundlagen der Drohneneinsätze im Rahmen einer parlamentarischen Anfrage überprüfen lassen.
Kritisch bewerten wir außerdem den Umgang einzelner Behördenvertreter mit Fanbeauftragten und Mitarbeitenden der Fanprojekte. Diese nehmen eine wichtige Vermittlungsfunktion zwischen Fans, Vereinen und Sicherheitsbehörden wahr und sind auf einen professionellen und respektvollen Austausch angewiesen. Geschilderte Erfahrungen lassen jedoch Zweifel daran aufkommen, dass diesem Anspruch jederzeit entsprochen wird.
Die aktuellen Ereignisse stehen aus unserer Sicht exemplarisch für eine Entwicklung, bei der neue Einschränkungen regelmäßig mit Sicherheitsinteressen begründet werden, während ihre Auswirkungen auf Fankultur, Selbstorganisation und Grundrechte nur unzureichend berücksichtigt werden. Ein Stadionbesuch rechtfertigt keine pauschalen Einschränkungen von Rechten, die außerhalb des Stadions selbstverständlich gelten.
Abschließend halten wir fest, dass der Stadionbesuch in Würzburg aus unserer Sicht grundsätzlich ein sicheres Ereignis darstellt. Deshalb sehen wir keine ausreichende Grundlage für Einsatzkonzepte, die von umfangreicher Polizeipräsenz, weitreichenden Absperrmaßnahmen und zusätzlicher Überwachung geprägt sind. Die Erfahrungen rund um die Spiele gegen Aachen und insbesondere Rostock zeigen vielmehr, dass einzelne Maßnahmen selbst zur Entstehung unnötiger Spannungen beitragen können. Sicherheit und die Wahrung der Rechte von Stadionbesucherinnen und Stadionbesuchern dürfen dabei nicht gegeneinander ausgespielt werden.
Wir erwarten daher eine sachliche und transparente Aufarbeitung der geschilderten Vorgänge. Dazu gehören insbesondere die kritische Prüfung der Zugangsbeschränkungen, der Polizeipräsenz und des Einsatzes zusätzlicher Überwachungstechnik. Polizeiliche Maßnahmen müssen deeskalierend wirken, verhältnismäßig sein und die Rechte aller Stadionbesucherinnen und Stadionbesucher gleichermaßen achten. Nur so können Vertrauen, Akzeptanz und ein konstruktives Miteinander dauerhaft gewährleistet werden.